Wirklich "nur" eine Rezession? (17.12.08)

Leserbrief für die NZZ vom 17.12.08 "Schweiz vor der Rezession", nicht erschienen

Das seco spricht von einer möglichen Erholung der Konjunktur bereits in der zweiten Hälfte 2009. Daraus kann entnommen werden, dass das seco von einem ganz gewöhnlichen Konjunkturrückgang aufgrund des Platzens der Finanzblase ausgeht. Die Frage ist nur, ob das so ist. Vielleicht wäre diese Anname haltbar, wenn wirklich nur die Finanzwelt eine Blase produziert hätte. Es sprechen jedoch einige Faktoren dafür, dass auch in der realen Wirtschaft seit längerem Fehlentwicklungen im Gange waren, die auch als Blasen bezeichnet werden können und die von ganz anderem Kaliber sind als eine konjunkturelle Abschwächung. z.B. die private Konsumblase. Nicht ganz zufällig kümmern sich seit einiger Zeit die Ökonomen auch um das Glück der Menschen und haben entdeckt, dass dieses ab einer gewissen Versorgung mit zusätzlichem Konsum kaum mehr zunimmt. Das dürften die Menschen auch merken und möglicherweise ihr Konsumverhalten ändern. DAs würde dann eine Stütze der Konjunktur schwächen. Oder die Energie- und Mobilitätsblase. Die Einsicht, dass unser VErhalten das Klima schädigt, führt hoffentlich zu (sehr erwünschten) Verhaltensänderungen. Für das längerfristige Überleben eine absolute Notwendigkeit, die kurzfristige Konjunktur jedoch schwächt es. Die ebenso wichtige Einsicht in die Notwendigkeit neuer Energieformen geht einher damit, dass in diese Energieformen massiv investiert werden muss und die Anlagen der alten Energieformen ebenso deutlich an Wert verlieren. Die hohen Investitionen müssen finanziert werden, und da der Franken nur einmal "gegessen" werden lamm. bedeitet das z.T. Konsumverzicht zugunsten von Investitionen. Wenn heute die Autoriesen in den USA am Abgrund stehen, dann ist das ein Zeichen der verpassten rechtzeitigen Anpassungen. Ein Transportsystem aufzubauen, das nachhaltig weniger Energie verbraucht, ist nicht nur in den USA eine Herkulesaufgabe, sondern auch bei uns. Zukunftsträchtige Energieformen und Transportsysteme und -mittel sind dringend und überlebenswichtig, aber nicht gratis zu haben. Wenn sie einmal da sind, werden sie u.a. auch aufgrund ihrer Dezentralität sehr viele Arbeitsplätze und gute Verdienstmöglichkeiten schaffen. Aber das geht nicht so schnell. Und es geht vor allem auch nicht ohne den zähen Verteidigungskampf jener, die vom bisherigen System profitiert haben. Die verpassten Vorbereitungen und Anpassungen der letzten etwa 15 Jahre werden ihren Tribut fordern. Mit einer Umstellungszeit von mindestens 10 Jahren, grossen Anstrengungen und Anpassungen groben Ausmasses ist realistischerweise zu rechnen.

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