Die verlorenen Stellen der Swissair

Welche Lösung auch immer am Schluss im Zusammenhang mit dem Swissairdebakel zum Tragen kommt, eines ist sicher, es gehen Tausende von Arbeitsplätzen verloren. Was in der Hektik dieser Tage untergeht ist, dass im Flugsektor gewaltige Überkapazitäten schon vor dem 11. September 2001 bestanden. Ebenso bestanden im wesentlichen die Probleme der Swissair schon vorher. Der 11.9.01 hat die Schon- oder Anpassungszeit auf fast Null reduziert.

Im Kanton Zürich gibt es rund 700'000 Arbeitsplätze, Voll- und Teilzeit- stellen zusammengerechnet. Zählt man jene Stellen hinzu, die in rund einer Stunde mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar sind, dann sind geht es um mehr als eine Million Arbeitsplätze. Davon sind schätzungsweise 10-12'000 nicht besetzt. Die Bereitschaft der Firmen, offene Stellen zu besetzen ist in der jüngerer Zeit zurückgegangen. Trotzdem besteht nach wie vor, vor allem im Bereich der anspruchs- volleren Arbeiten, ein Mangel an entsprechend qualifizierten Leuten.

Selbstverständlich ist der Verlust der Arbeitsstelle hart. Aber als einzelner kann man bei Umständen, wie sie jetzt für die Swissair gelten, keinen Einfluss nehmen. Das gilt, ob man bei Swissair oder einem betroffenen Zulieferbetrieb arbeitet im gleichen Masse. Was man tun kann ist, sich in einer solchen  Situation geschickt verhalten oder wenn man noch nicht in dieser Situation ist, sich vorzusehen.

Es gibt eine alte Weisheit bezüglich Stellenwechsel „Man soll gehen solange das Sprungbrett federt“. Der Spruch, obwohl aus früheren Zeiten, ist in den letzten Jahren immer wahrer geworden. Aber es braucht nicht nur ein Sprungbrett, sondern auch einen Ort, wohin man springen kann, und wo man gut ankommen kann. Eine wichtige und gute Methode ist, sich immer wieder zu vergegenwärtigen, was man kann, wo man die Stärken hat und wie man sie weiterentwickeln kann.

Für die Swissairangestellten, oder je nach Lösung, einem Teil von ihnen und für jene aus den Zuliefererbetrieben, deren Stellen bedroht sind, ist die Vorbereitungszeit für einen Stellenwechsel auf praktisch Null geschrumpft.

Dabei ist die Situation sehr unterschiedlich: Flight-Attendants haben meist einen erlernten Beruf, in den sie zurückkehren können. Das Gleiche gilt für viele aus den Zulieferbetrieben. Piloten haben es da schwerer. Ihre Ausbildung und Tätigkeit ist sehr spezifisch.

In welcher persönlichen Situation jemand auch immer ist, es lohnt sich, in Hinblick auf die nächsten Schritte sich die folgenden Fragen zu stellen:


Was sind meine Stärken?

Welche Tätigkeiten, ausser den bisherigen, liegen mir auch noch, bzw. was habe ich in meinem Leben schon einmal gemacht, in Beruf oder Freizeit, das ich gut konnte und gerne tat?


Und beim konkreten Handeln sich an den folgenden Punkten zu orientieren:

Das Heft selber in die Hand nehmen, es gibt viele, die helfen (können) aber entscheiden und handeln muss man selbst. Anlaufstellen sind das berufliche Arbeitsvermittlungszentrum der Swissair und des Amts für Wirtschaft und Arbeit in Kloten, die Regionalen Arbeitvermittlungszentren RAV, die Berufsberatungen (Laufbahnzentren) in der Stadt Zürich und in den Bezirken und natürlich auch private Stellenvermittlungsbüros und Personalberatungs- und Personalentwicklungsfirmen.

Bei Piloten praktisch sicher, bei andern allenfalls auch, ist die voraussehbare Lohneinbusse gravierend. Eine realistische Klärung ist unbedingt nötig, da sonst der Kopf nicht frei ist für die Planung der beruflichen Zukunft.

Für die vertiefte Einsicht in seine Stärken eine geeignete Methode anwenden. Die Beratungsstellen kennen sie.

Wenn man unsicher ist, was man mittelfristig will, eine Übergangs- tätigkeit suchen und sich bewusst Zeit nehmen für die Klärung.

 

Der Sozialplan

Noch einige Überlegungen zum Sozialplan. Ein Sozialplan muss mindestens drei Anforderungen genügen:

  • Er erhöht die Arbeitsmarktfähigkeit der Betroffenen
  • Er ermöglicht genügend Zeit für den Übergang in eine neue Tätigkeit
  • Er lindert Härtefälle

Die Linderung von Härtefällen gehört ohne wenn und aber zur Aufgabe eines Sozialplans. Entscheidend für die Qualität des Sozialplans sind aber die andern beiden Punkte. Obwohl die Schwierigkeiten der Swissair bekannt waren, haben mit Sicherheit wenige der betroffenen Swissair-Angestellten und der Mitarbeitenden der Zulieferer konkrete und schnell realisierbare Pläne für den nächsten beruflichen Schritt eingeleitet. Kommt dazu, dass es solche darunter hat, die nicht nur eine neue Stelle finden, sondern auch mit erheblichen Einkommensein- bussen rechnen müssen. Eine solche Anpassung braucht Zeit. Wer den Kopf voller finanzieller Sorgen hat, hat ihn nicht frei für eine neue berufliche Orientierung, eine allfällige Weiterbildung und die Bewältigung all der mentalen und oft auch familiären Probleme, die entstehen. Der Sozialplan muss in der Übergangszeit dazu beitragen, dass die Betroffenen den Kopf frei haben um sich auf die Zukunft vorzubereiten. Und als Drittes muss der Sozialplan dazu beitragen, sei es durch Beratung, sei es durch ein Outplacementverfahren oder ein anderes geeignetes Verfahren, sei es durch eine Weiterbildung, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt möglichst intakt sind und eine gute Lösung möglich wird.

Ruedi Winkler