„Lernen ist keine individuelle, sondern eine soziale Tätigkeit“. Sagt der amerikanische Oekonom und Autor des Buches „Die Zukunft des Kapitalismus“ Lester C. Thurow. Eigentlich wissen wir das alle. Lernen, soll es erfolgreich sein, muss einen Sinn ergeben, einen Zweck erfüllen, zu einem Ziel führen oder einfach Freude machen. Lernen muss in verschie- densten Formen, nach verschiedensten Methoden und in verschiedensten Zusammenhängen möglich sein. Gemäss Untersuchungen soll ein Drittel der Erwachsenen in der Schweiz nie einen Weiterbildungskurs besuchen. Das heisst natürlich nicht, dass sie nichts lernen, aber es heisst, dass sie eine wichtige Form des Lernens nicht benützen. Vielleicht, weil diese Form das Lernen als sozialen Vorgang zu wenig beachtet, vielleicht auch, weil sie diese Form des Lernens als unbefriedigend empfunden haben.

Lernen wird denn auch zunehmend in einen grösseren, bzw. auch praktischeren Zusammenhang gestellt. So wird z.B. im Zusammenhang mit der laufenden Reform der kaufmännischen Grundausbildung immer wieder darauf hingewiesen, dass von den Auszubildenden in vermehrten Masse selbständiges Handeln, Eigenverantwortung, Arbeiten im Team sowie Sozial- und Methodenkompetenzen erwartet wird. Konsequenterweise wird dann auch der Bezug zwischen der Schule und dem Lehrbetrieb verstärkt und die praktische Anwendung des Gelernten bei der Messung des Lernerfolgs höher gewichtet.

Wissen im Sinne von Anwendenkönnen des Gelernten wird in Zukunft – und ist es zum Teil heute schon - zum zentralen Rohstoff der Wirtschaft und wird entscheidend für das Gedeihen der einzelnen Firmen, seien dies nur KMU, Gewerbebetriebe oder Grossfirmen. Wissen wird wichtiger als das Kapital. Thurow meint, dass die wahren Wettbewerbsvorteile in den Köpfen der Mitarbeitenden liege. „Das einzige wichtige Kapital eines Unternehmens sind die Mitarbeiter“ (sicher meint er auch die Mitarbeiterinnen). Wissen ist eine Frage des Kopfes und des Geistes. Entscheidend wird sein, wem es gelingt, seine Mitarbeitenden für das Lernen und für den Austausch und das Anwenden des Wissens zu gewinnen.

Gewinnen kann man sie nur dafür, wenn die Werte, für die eine Firma steht, bekannt sind und im Alltag gelebt werden. Ob sie in einem Leitbild stehen oder vom täglichen Anwenden her bekannt sind ist sekundär.  Diese Werte bilden die Voraussetzung, damit Lernen in einem Unternehmen effektiv möglich ist. Dies wiederum ist eine Voraussetzung, damit ein Unternehmen in einem Umfeld gedeihen kann, in dem Wissen immer entscheidender wird.

Lernen als soziale Tätigkeit verstanden, öffnet auch die Türen für jene, die – mindestens zum formellen Lernen – ein gespaltenes Verhältnis haben. Es öffnet den Firmen die Tür zum Lernpotenzial auch jener Mitarbeitenden, die sich möglichst von den klassischen Weiterbildungsformen fernhalten. Eine Wissensgesellschaft kann sich nur wirklich als solche entwickeln, wenn sie  alle sich daran beteiligen lässt.

13.03.2002/Ruedi Winkler